Offizial Kurt Schulte zieht Bilanz nach einem Jahr neues kirchliches Eherecht

Offizial Kurt Schulte.

Offizial Kurt Schulte.

"Was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen": Dieses Jesuswort steht in der katholischen Kirche für die Unauflöslichkeit einer gültigen Ehe.

Eine nicht gültig geschlossene Ehe aber kann die Kirche aufheben. Darüber entscheiden die Kirchengerichte – Offizialate – aufgrund der kirchlichen Eheprozessordnung, die Papst Franziskus vor einem Jahr wesentlich geändert hat. "Wir können den Menschen seitdem etwas leichter zur Seite stehen", bilanziert Offizial Kurt Schulte, Leiter des Offizialats im Bistum Münster.

Am 8. Dezember 2015 waren die päpstlichen Neuregelungen in Kraft getreten. Im Kern beinhalteten sie, dass über eine Eheanullierung in erster Instanz abschließend entschieden werden kann. Zuvor hatten zwei Instanzen ein gleich lautendes Urteil fällen müssen. "Das ist eine erhebliche Zeitersparnis für die Antragsteller", erklärt Schulte. Habe ein Verfahren früher anderthalb bis zwei Jahre gedauert, erhielten die Menschen nun in acht bis neun Monaten Gewissheit. Vor allem für jene, die wieder heiraten wollten, sei das eine Erleichterung.

Außerdem habe der Papst die Beweisführung vereinfacht. In Fällen, in denen ein Ehepartner gegen die Annullierung sei, komme einer glaubwürdigen und beeideten Aussage des anderen Partners jetzt mehr Gewicht zu. Früher hingegen habe man weitere zusätzliche Beweise finden müssen, was angesichts des privaten Charakters einer Ehe oft schwierig gewesen sei.

Noch eine dritte Änderung benennt Kurt Schulte: "Früher mussten in einem Gerichtshof – der besteht immer aus drei Richterinnen oder Richtern – immer zwei Kleriker sein. Das stellte manches Mal die Gerichte vor das Problem, überhaupt genügend Personal zu haben." Seit einem Jahr aber bestehe ein Gerichtshof aus mindestens einem Kleriker und zwei Kirchenrechtlern als Laien. "Das ermöglicht vielen Gerichten leichteres Einsetzen eines Gerichtshofes, und auch dadurch können mehr Verfahren geführt und schneller geführt werden", erklärt der Offizial.

Das neue Eherecht hat einiges bewirkt. Entsprechend dem deutschlandweiten Trend, stellt Schulte auch für das Bistum Münster einen Anstieg sowohl der Beratungsgespräche als auch der Verfahren fest. In den vergangenen Jahren habe es 48 (2012), 50 (2013), 54 (2014) und 33 (2015) Verfahren in der bisherigen ersten Instanz gegeben. Im laufenden Jahr seien es in der jetzigen einzigen Instanz 70.

Dieser Anstieg ergebe sich aus den Änderungen an sich, aber auch daraus, dass im Zuge dieser Änderungen allgemein mehr über das katholische Eherecht diskutiert und informiert worden sei. "Menschen sind auf uns aufmerksam geworden, Menschen haben den Mut gefunden, uns anzusprechen, und wir können ihnen in mehrfacher Hinsicht leichter behilflich sein, ihr Verfahren zu führen", fasst der Offizial zusammen.

Trotzdem, betont er, sei die Hürde für eine Annullierung gleich hoch geblieben, denn am Wert, den die Kirche der Ehe beimesse, habe sich nichts geändert. Deshalb müssten gleich drei Richterinnen und Richter davon überzeugt sein, dass eine Ehe nicht gültig geschlossen worden sei, und deshalb gebe es die Position des Ehebandverteidigers, der alle Argumente für die Gültigkeit der Ehe anführe. "Aber das Positive an den Neuerungen ist, dass unnötige Regelungen zurückgeführt werden und manches an Strukturellem vereinfacht wird, damit den Menschen das Führen eines solchen Verfahrens erleichtert wird", sagt Schulte. In diesem Sinne zeige schon der Titel des päpstlichen Schreibens vom Dezember 2015, "Der milde Richter Jesus Christus", worauf es dem Papst angekommen sei: "Ihm ist es wichtig, auch in diesem Gesetz, dass es erst einmal dem Menschen entgegen kommt und dem Menschen dient. Und das sieht man bei diesen Veränderungen des Eherechts sehr genau."

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Text / Foto: Bischöfliche Pressestelle
08.12.2016

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